Aids 2016: Was wirlich pervers ist


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Montagabend, 20 Uhr: Wir sitzen zusammen mit tausenden Menschen in einer rießen Halle des Kongresszentrums in Durban/Südafrika. Meterhohe rote Schleifen hängen von der Decke. Gerade eröffnen auf der Bühne Kweku Mandela – der Enkel des großartigen Nelson Mandela zusammen mit der Oskarpreisträgerin Charlize Theron den Kongress.

„Ich bin überhaupt nicht stolz, dass diese Veranstaltung hier ist“ – ein kurzes Stocken im Raum, dann die Worte auf die hier spürbar alle gewartet haben: „Diese Veranstaltung sollte überhaupt nicht mehr notwendig sein.“ Der Saal tobt.

Es ist nach 16 Jahren die zweite Welt-Aids-Konferenz in Südafrika Die zweite und hoffentlich letzte! Bis 2030 Aids zu beenden – das ist unser großes Ziel für das wir nochmals einen Gang zulegen müssen. Besser zwei. 180.000 Menschen sind alleine im letzten Jahr hier in Südafrika an den Folgen von HIV gestorben. Jeden Monat infizieren sich neu 13.000 nur in diesem Land der Welt. Hier sind die meisten davon Frauen, die Infektion die Folge sexueller Gewalt

Für mehr als die Hälfte aller Menschen mit HIV gib es auch heute nochkeinen Zugang zu Medikamenten. Sie sterben auch 2016 an den Folgen von Aids, wenn sie nicht zuvor schon die Stigmatisierung und Diskriminierung in ihrem jeweiligen Land umgebracht hat.

Und die Welt schaut zu.

Ich erinnere mich in diesem Moment an einen Präventionseinsatz auf einem CSD an dem ein älterer Mann im Vorbeigehen an unserem Stand „Leben mit HIV“ sagte: „Das habt ihr nun von eurem perversen Sex.“ Damals habe ich das mit einem Lächeln überspielt, heute – getragen von dieser Power und den großartigen Menschen den ich hier begegne – möchte ich wütend zurückbrüllen:

Pervers ist, dass die Welt finanziellen Mittel für die Aids-Arbeit kürzt, statt sie aufzustocken.
Pervers ist, dass wir alle Möglichkeiten haben um das Virus in Schach zu halten, aber Pharmakonzerne ein milliardenschweres Geschäft mit unserem Leben betreiben.
Pervers ist, dass wir alles über Infektionswege wissen und Regierungen uns dennoch nicht genügend Geld geben unsere Arbeit zu machen.
Pervers ist, dass viele von uns nicht das Virus sondern die Stigmatisierung und Diskiminierung tötet.
Pervers ist, dass wir im Jahr 2016 immer noch ausgegrenzt werden, weil wir das gleiche Geschlecht lieben, weil wir eine bestimmte Hautfarbe haben, weil wir als Sexarbeiter*innen unser Geld verdienen, Drogen gebrauchen oder weil wir schlicht in Armut leben.

Und von wem? Von den eigentlich Perversen!

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