Olympisches Gold: HIV-Vorsorge in Brasilien


Zum Auftakt der Olympischen Spiele schaut flosithiv.com nach Rio de Janeiro

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Ich bin ein positiver Journalist. Nicht nur aufgrund meines seit langem öffentlichen HIV-Status, sondern vielmehr aufgrund meiner Einstellung zum Leben und der Art und Weise mit der ich an die Berichterstattung herangehe. Wenn ich beim allmorgendlichen Blick heute über die Medienlandschaft das sichte, was meine Kolleg*innen der Tagespresse so über die gestrige Eröffnung der 31. Olympischen Spiele in Rio de Janeiro so schreiben, dann wird mir übel.

Mit sportlicher Berichterstattung hat dies sowieso nichts zu tun, jedoch so scheint es, bedient man in nicht enden wollenden Berichten all die Leser, die sich bei der morgendlichen Zeitungslektüre daran erquicken, was in anderen Ländern und Städten doch alles nicht funktioniert. Da liest man von verdrecktem Wasser, von Umweltsünden, von nicht fertiggewordenen Bauarbeiten und vom Drogenkrieg.

Keine Frage – das „System Olympia“ ist korrupt und hinterlässt wo immer es auftaucht Spuren. Teils hässlich und nicht hinzunehmende Spuren wie die Zwangsumsiedelungen von Menschen die im Vorfeld der Spiele in Rio stattgefunden hat. Wissen wir also und schauen trotzdem brav weiter mit einem Gläschen Wein in der Hand die ach so bunt gestaltete Eröffnungsfeier. Schön ist das.

Nein, ich möchte jetzt nicht auf die mediale Macht jedes Einzelnen hinweisen, vielmehr möchte ich – wie angekündigt – einen positiven Beitrag zum Gastgeberland veröffentlichen. Denn bei der PrEP – also der Vor-Risiko-Vorsorge vor HIV – ist Brasilien vielen anderen Teilnehmerländern der olympischen Spiele einen ganzen Schritt voraus. Wie ihr wisst, war ich kürzlich auf der Welt-Aids-Konferenz in Durban. Und genau dort kündigte Adele Benzaken, Chefin der Fachabteilung für HIV und Aids im brasilianischen Gesundheitsministerium an, bereits ab Ende 2016 die HIV-PrEP für besonders betroffene Zielgruppen kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Das heisst im Klartext: Wer eine erhöhte Gefahr hat, sich mit HIV zu infizieren – hierzu zählen insbesondere Männer die Sex mit Männer haben, Trans*-Menschen und Sexarbeiter*innen – bekommen ab Ende des Jahres die Tablette, die vor einer HIV-Infektion schützt auf Staatskosten verschrieben. Vorbildlich.

Und noch was: Die knapp 750.000 Menschen die in Brasilien bereits mit HIV leben bekommen schon seit geraumer Zeit ihre HIV-Behandlung vom Staat bezahlt. Das ist also weit über dem was andere Ländern für die HIV-Vorsorge und HIV-Behandlung leisten.

Das ist in Sachen HIV-Vorsorge nicht nur vorbildlich. Das ist ganz sicher olympisches Gold.

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Florian Winkler-Ohm ist Journalist und HIV-positiv. Der gebürtige Augsburger lebt mit seinem Freund in Berlin und betreibt unter anderem den HIV-Blog flosithiv.com.

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