Das wird man ja wohl noch sagen dürfen…


Ich oute mich: Ich bin ein besorgter Bürger. Ein besorgter, schwuler Bürger. Ja, wahrscheinlich sogar noch schlimmer: Ein besorgter, schwuler, HIV-positiver und drogenakzeptierender Bürger der sich ein Deutschland wünscht, dass weltoffen und multi-kulti ist. Ich wünsche mir ein Deutschland mit einem Herz am richtigen Fleck.

Wo dieser richtige Fleck ist, da sind sich mitunter die Parteien dieses Landes uneinig. Zwar hatte die Schwesterpartei der CDU – die mit dem „sozial“ in der Mitte des Namens – in der Vergangenheit deutlich formuliert, es dürfe kein Herz rechts von ihrem geben, jedoch hat die AfD sie zwischenzeitlich anatomisch eines besseren belehrt. Das nennt man wohl eine Organverpflanzung.

Wenn also die unseren Motor Deutschland – jenen viel gepriesen gesunden Körper der EU – zukünftig ein Herz antreiben wird, dass ein Stück nach rechts verpflanzt wurde, gehts uns allen besser. Das meint zumindest die Alternative für Herzen, ähm Deutschland.

Das ist logisch, denn ein verpflanztes Herz kann ja auch gleich alle Probleme des Körpers viel besser lösen: Zuzug von Menschen aus Kriegsgebieten zum Beispiel, aber auch die bestehende Arbeitslosigkeit des Herzträgers und wahrscheinlich auch alle andern Symptome die ein kranker Körper so hat.

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Mein Opa ist über 90 Jahre und hat Herzprobleme. Dennoch hat er sich gegen eine Operation entschieden. „Weisst du Florian“ sagt er, „eine OP am Herzen mit 92, die Narkose, die möglichen Komplikationen – das ist keine gute Idee.“ Sein Erfolgsrezept: Er nutzt neben seinem Herzen auch sein Hirn.

Er wägt ab, stellt Risiken den Chancen gegenüber und trifft eine Entscheidung – ein kluger Deutscher. Eine Klugheit die ihm weder der Zweite Weltkrieg, noch die schwierigen Nachkriegsjahre oder sonst ein Ereignis in seinen bald 100 Jahren nehmen könnten.

Er ist mein Held. Er ist jemand der Ärzten trotz Doktortitel und weissem Umhang seine Meinung sagt, der sich positioniert und selbst entscheidet. So wie in diesen Tagen die vielen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, die eine neue Landesregierung wählen.

Auch sie müssen sich entscheiden, wem sie ihr Vertrauen schenken und wer die „Operation Deutschland“ in ihrem Bundesland in den nächsten Jahren leiten soll. Die Menschen die dabei operieren tragen zwar meistens eher graue Anzüge zu grauer Miene, versprechen aber ungefähr das gleiche wie die meisten Ärzte: Die ultimative Besserung.

Ob für Schmerzen am Zeh jedoch gleich das ganze Herz ein Stück nach rechts versetzt werden muss, dass wissen weder mein Opa noch ich. Noch haben jedoch bis zum Schließen der Wahllokale die Menschen Zeit über die Risiko der Herztransplantation nachzudenken und sich dafür zu entscheiden, dass Herz da zu belassen wo es hingehört – am richtigen Fleck.

Und nachdem Gesang nicht zu meinen absoluten Stärken gehört und Opa auch nicht wollte, haben wir Jennifer Rostock hier den Vorzug für die musikalische Darbietung überlassen. An dieser Stelle ein herzlichen Dank an Shija vom Management der Band für die freundliche Genehmigung zur Einbindung nachfolgenden Videos:

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Ein Kommentar von Florian Winkler-Ohm, einem um AfD-Wähler besorgten Bürger und Journalisten, der nicht zwangsläufig die Meinung der von ihm belieferten Redaktionen wiedergibt. Mehr von ihm unter http://www.flosithiv.com

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